Viele Männerchöre im Land stehen vor dem selben Problem: Es kommt kein Nachwuchs nach. Es gibt (leider) keine Rettung mehr für die traditionellen Männerchöre. So zeichnete sich auch für die rund 20 verbliebenen Sänger der Sängervereinigung „Germania“ ab, dass sich der Chor im Jubiläumsjahr 2019 aus dem aktiven Chorleben verabschieden musste. Beim grandiosen Abschlusskonzert der 175-Jahr-Feierlichkeiten hatte der Männerchor der „Germania“ dann seinen letzten Auftritt.
Dem Zeitgeist gezollt, hatte der Verein in den vergangenen Jahren viele Sänger verloren. Bedingt durch Krankheiten und nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Altersstruktur dezimierte sich die Zahl der Bässe und Tenöre immer mehr.
Der Männerchor blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im Jahre 1844 gründeten 25 Sänger den Männergesangverein „Germania“, der seit dem Beitritt der Elzer Vereine „Germania-Liederblüte“ und „Sangeslust“ im Jahre 1925 den Namen „Germania“ führt. Mit dem Gründungsjahr 1844 rückt der Gesangverein „Germania“ in die Reihe der ältesten Gesangvereine Deutschlands. Die lange Tradition des Gesangvereins „Germania“ beruhte auch auf einer kontinuierlichen kooperativen Vereinsarbeit, die stets die Interessen der Mitglieder und des Vereines in den Vordergrund stellte.
Der Chor, dessen Schaffen über Jahre hinweg mit erfolgreichen Auftritten gekrönt war und der viele Pokale und Sachpreise bei Wertungssingen "ersungen" hatte, war früher gefragt bei Vereinsfesten; er gab anspruchsvolle Chor- und Solistenkonzerte im Bürgerhaus. Hinzu kamen eindrucksvolle Konzertreisen nach Italien, Österreich, Finnland, Frankreich, in die Niederlande und die Tschechische Republik.
Der „Männerchor“ stand seit 2007 unter der Leitung von Frank Sittel.

Männerchor zu aktiven Zeiten

Männerchor

Geselliges Stammtisch-Treffen
Doch die Auflösung des Männerchors sollte nicht das endgültige Ende langer Verbundenheit und Freundschaft sein. Ein Männerchor-Stammtisch wurde ins Leben gerufen. Wenn es die Corona-Bestimmungen erlauben, treffen sich die 14 verbliebenen ehemaligen Sänger und auch interessierte fördernde Germania-Mitglieder regelmäßig jeden Mittwoch um 18 Uhr im Vereinslokal "Nassauer Hof" zu einem geselligen Beisammensein. Erinnerungen werden ausgetauscht und Aktivitäten geplant.

Vorsitzende der „Germania“

1996 – 1999 Helmut Laux (3 Jahre)
1999 – 2003 Günther Sommer (4 Jahre)
2003 – 2013 Werner Reusch (10 Jahre)
2013 – 2016 Klaus Laux (3 Jahre)
2016 - Martin Sommer

Die Chorleiter

ab 1844 Lehrer Werner Weidenfeller
1921 folgte Lehrer Mathias Bretz
1925 übernahm Heinz Möhn.
Es folgten: Musiklehrer Heinrich Hannappel (1927), Mathias Bröckers (1946), Theodor Lebeda (1948), Franz Arthen (1949), Paul Fiedler (1951), Musikdirektor Jakob Kraus (1954), Musikdirektor Alfred Koob (1959), Wolfgang Hauk (1981) Musikdirektor Michael Rinscheid (1988), 2007 übernahm Jürgen Faßbender das Dirigat für ein halbes Jahr,  dann übernahm Frank Sittel.

Ehrenpräsident Werner Reusch

Werner Reusch Vorstandstätigkeiten
1962 – 1966 Jugendvertreter
1990 2. Schriftführer
1992 – 1994 Geschäftsführer
2003 - 2013 1. Vorsitzender
ab 2014 Ehrenpräsident
seit 2014 Vorsitzender Förderverein
seit 2020 Manager „Männerchorstammtisch

Sonstige Vereinstätigkeiten

  • Aktiver bei den Karnevalsveranstaltungen (Kappensitzungen) z.B. als Gustav u. Samuel mit Walter Erbach.
  • Gründer des „Germania-Balletts“ (später Royal Ballett)
  • Gründer der Vereinszeitung „Germania-Bote“
  • Organisator der großen 150-Jahrfeier der „Germania“
  • Initiator und Mitbegründer des „Jungen Chores der Germania“ (später Salto Vocale)
  • Neuaufbau von „Salto Vocale“ zu einem leistungsstarken gemischten Chor mit Jürgen Faßbender als Chorleiter
  • 2004 Neukonzeption und Verlagerung des Elzer Weinfestes in die Elzer Anlagen
  • Gründung des Männerensembles „Männersache“
  • von 2013 bis 2019 Sprecher des Männerchores

PRESSEVERÖFFENTLICHUNGEN

Nassauische Neue Presse vom 21.01.2019

Sie sangen schon vor dem König
Die Sängervereinigung Germania feiert in diesem Jahr ein seltenes Jubiläum
Die Germania ist einer der ältesten Gesangvereine Deutschlands. Mit dem 175. Jahrestag der Gründung feiert die Sängervereinigung in diesem Jahr ein stolzes Jubiläum.
Als im Jahre 1844 im heutigen Gasthaus "Schützenhof" in der Alexanderstraße von 25 Sängern der Gesangverein Germania gegründet wurde, herrschte im Land eine große Hungersnot. Trotz der Widrigkeiten wie Hunger und Infektionskrankheiten und einer 90-Stunden-Arbeitswoche trafen sich einige engagierte Männer regelmäßig zum Gesang, ihr erster Dirigent war Werner Weidenfeller.

In der Elzer Chronik wird berichtet, dass damals sogar in der Stadt Limburg wochenlang kein Brot zu haben war. Der Winter 1844 / 45 war sehr kalt, viele Menschen erfroren. Bereits im Sommer hatte sich in Elz die Kartoffelfäule, wie auch in anderen Teilen Europas, ausgebreitet. Wer Geld für eine Überfahrt aufbringen konnte, wanderte nach Amerika aus. Im Jahre 1850 brannte es in Elz. 42 Häuser, 75 Ställe, 25 Scheunen und vier Holzremisen fielen den Flammen zum Opfer.

Mit Tanzmusik

Über diese schlimmen Zeiten ist in der Vereinschronik der Germania aber nicht viel zu finden. Erst im Jahr 1861 wird über ein Sängerfest mit Tanzmusik berichtet. Die Daten, auf die die Sänger stolz sind, finden natürlich schon Erwähnung: 1868 singt die Germania in blauen Kitteln vor König Wilhelm in Bad Ems, ein Jahr später vor Herzog Adolph in Schloss Oranienstein und 1870 vor Erzherzog Stefan im Schloss Schaumburg.

1894 wurde das 50-jährige Stiftungsfest gefeiert. Der Komponist Wilhelm Geis wurde um die Jahrhundertwende Mitglied. Inzwischen waren die Bahnlinien von Limburg nach Siershahn und nach Altenkirchen in Betrieb genommen worden. Damit fanden die Menschen Arbeit und Brot.

Während des Ersten Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit. 1921 vereinigen sich Germania und Liederblüte unter dem Namen "Germania-Liederblüte" und 1925 der Gesangverein Sangeslust mit der Germania-Liederblüte unter dem Namen "Sängervereinigung Germania". Ihr Erster Vorsitzender war Peter Eufinger, und Dirigent ist Heinz Möhn. Mit Erfolgen besuchte die Germania Wettstreite in Lindenholzhausen, Großenlinden, Nassau und Wiesbaden-Bierstadt. Auch im Zweiten Weltkrieg ruhte (ab 1940) die Vereinsarbeit. Unter der Leitung von Mathias Bröckers wurde in Elz ab 1946 wieder gesungen, seine Nachfolge trat 1948 der Musikpädagoge Theodor Lebeda aus Limburg an. Unter ihm führten die Sänger die Operette "Frühling der Liebe" auf. Ab 1950 wirkte die Germania wieder bei Wettstreiten mit. 1957 wurde dem Verein die bedeutende Zelterplakette verliehen.

In den 60er- und 70er- Jahren häuften sich die erfolgreichen Teilnahmen an Wettstreiten. Unzählige Konzerte mit prominenten Solisten, Orchestern und Chören gehörten ebenfalls zum Vereinsleben, 1969 und 1972 sang die Germania mit den Donkosaken. Nicht zuletzt wurden die Kappensitzungen der Germania zu Publikumserfolgen.

Unvergessen bleiben die Konzertreisen nach Rom in den Jahren 1970, 1972 und 1976. In den 80er- Jahren unter der Leitung von Musikdirektor Michael Rinscheid erreichte der Chor einen beachtlichen Leistungsstand, den er bei Wettstreiten und Konzerten unter anderem in Finnland und in Marienbad unter Beweis stellte. Ein Höhepunkt war die Teilnahme am nationalen Chorwettbewerb in Lindenholzhausen, wo der Verein alle ersten Preise errang und die höchste Punktzahl von 53 Vereinen.

30 Weinfeste

Neben der Pflege des Chorgesangs hat die Germania erheblichen Anteil am gesellschaftlichen Leben in der Gemeinde. Zum Beispiel mit ihren Weinfesten. Im 175. Jubiläumsjahr kann das 30. Weinfest in den Anlagen gefeiert werden. Zu den sonntäglichen Weinfest-Frühschoppen treten die Chöre der Germania und Gastchöre auf.

Aktuell hat der Männerchor Germania rund 20 aktive Sänger. Das war in früheren Jahren anders. In den besten Zeiten zählte der Chor zwischen 80 und 90 sowie in der Spitze sogar 98 aktive Sänger. Wie viele andere Männerchöre leidet die Germania am Nachwuchsmangel.

VON BERND LORMANN

Nassauische Neue Presse vom 07.02.2019

Pokale sind noch im Foyer
Historie der Germania im Rathaus ausgestellt
Der Männerchor der Sängervereinigung Germania Elz e. V. gehört zum alten Adel der MGV in Deutschland. Das 175-jährige Bestehen würdigen die Mitglieder in der vergangenen Woche erfolgreich mit einer aufwendigen und informativen Ausstellung in den Räumen des Elzer Rathauses. Werner Geberzahn, Otto Purtauf, Josef Weimer und Dieter Schäfer hatten wochenlang sämtliche Unterlagen zusammengetragen. Die Namen der Gründerväter, die den Verein aus der Taufe hoben, waren im Historischen Saal an einer der Fotowände zu bestaunen. Aus den Wirren der Zeit erhalten, hing direkt daneben eine Tanzgenehmigung aus dem Jahr 1861.

"Es ist wirklich beachtlich, dass wir aus dieser Zeit noch solche Unterlagen haben" begeistert sich Dieter Schäfer, Vizedirigent des MGV, und weist auf ein Bestätigungsschreiben von 1845 hin, mit dem die Mitbenutzung von Liederheften der Abendschule ausdrücklich gestattet wurde.

Die Jubiläumsfeier 1944 musste wegen des Krieges ausfallen, doch es gibt Zeugnisse in Wort und Bild von dem großen Fest zum 110-jährigen Bestehen. Jede Menge Plakate sind noch vorhanden, das älteste von 1937. "Zwei Jahre nach dem schlimmen Krieg haben wir schon Festkonzerte veranstaltet", berichtet Dieter Schäfer weiter. "Auch von unseren Auslandsreisen nach Frankreich, Finnland und Rom haben wir noch schönes Bildmaterial." Unter all den Plakaten der großen Feste des MGV liegt ihm das der Hundertfünfzig-Jahrfeier besonders am Herzen. Der damalige Ehrenvorsitzende Helmut Laux war maßgebend zuständig für eine prunkvolle Feier mit zwei großen Festzelten. "Das wäre heute undenkbar" meint der Vize-Dirigent und berichtet weiter: "Werner Geberzahn hat mit einem enormen Arbeitsaufwand alles vorhandene Material abfotografiert, bearbeitet, in passende Formate gebracht und Texte dazu geschrieben. Bilder sagen schließlich mehr als tausend Worte. Die Besucher waren begeistert, immer wieder hörte man Rufe wie 'Ach, da ist ja der Opa'. Das freut uns natürlich." Zahlreiche Eindrücke von vielen Elzer Festen, bei denen der Verein nicht fehlen durfte oder sogar Ausrichter war, waren im Rathaus zu bewundern. Vom 1992 gegründeten gemischten Chor "Salto Vocale" des MGV war neben Bildern sogar ein T-Shirt zu sehen.

Kein Stillstand

Die Ausstellung wurde mit viel Herzblut und Liebe zusammengestellt. Einen Teil davon kann man noch im Rathaus-Foyer bewundern. Die unzähligen Pokale, darunter echte Kostbarkeiten, mussten poliert und behutsam ins Rathaus gebracht werden. Dort funkeln sie hinter Glasvitrinen und entführen die Besucher in die glanzvolle Vergangenheit der Sängervereinigung. Die Trophäen neueren Datums zeigen aber auch, dass hier kein Stillstand herrscht. Die Sängerinnen und Sänger der Germania gehen mit der Zeit und mit ihren Dirigenten Frank Sittel (Männerchor), Jürgen Faßbender (Dirigent Salto Vocale) und Geschäftsführer Martin Sommer weiter voran. küb

Nassauische Neue Presse vom 30.09.2019

Männerchor der "Germania" verstummt
Elz 175 Jahre nach der Gründung gab es den letzten Aufritt, weil der Nachwuchs fehlt
Mit einem bunten Melodien-strauß aus Chorgesang und Salonorchester sowie dem Auftritt des Royal-Balletts beendete die Elzer Sängervereinigung "Germania" am Samstag im Bürgerhaus ihre Jubiläumsveranstaltungen zum 175-jährigen Bestehen. Für den Männerchor der "Germania" war es der letzte Auftritt.
"Germania"-Vorsitzender Martin Sommer brachte es bei der Begrüßung der Gäste auf den Punkt: Zwei Herzen schlugen an diesem Abend in seiner Brust. Das eine mit Freude über die 175-jährige Sanges-tradition und das andere mit Traurigkeit, weil an diesem Abend der Männerchor der "Germania" seine aktive Zeit beende. Chorgesang bestehe nun weiterhin mit dem erfolgreichen gemischten Chor "Salto Vocale" und der Hoffnung, dass in Zukunft wieder einmal in der "Germania" ein Männerchor heranwachse.

Als zum Jubiläumsabschluss und dem angekündigten Ende des Männerchors Gesang mit musikalischer Begleitung des Salonorchesters erklang, genügte ein Blick in die Vereinsgeschichte, um an die Vereinsgründer zu denken. Denn vor 175 Jahren, als in Deutschland große Hungersnot herrschte, versammelten sich 25 Sänger, darunter elf Musiker, um im heutigen Gasthaus "Schützenhof" den Gesangverein "Germania" ins Leben zu rufen. Der Ehrenpräsident der "Germania", Werner Reusch, begrüßte zum Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten neben den Sängerinnen und Sängern der "Germania" die Männerchorgemeinschaft aus Velbert, die Mitglieder des Salonorchesters Elz und die jungen Damen des Elzer Royal-Balletts. Das Royal-Ballett, so Reusch, entstand einmal in der "Germania" und gehört heute zum Sportverein Elz.

Unter den Ehrengästen im Bürgerhaus weilten auch in Vertretung des Bürgermeisters, die Erste Beigeordnete Ingrid Friedrich (CDU), die Vorsitzende der Sängergruppe Elz im Sängerkreis, Ursula Ender, der katholische Pfarrer Steffen Henrich und die Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Monika Ruprecht.

Der Männerchor der "Germania", zuletzt nur noch aus 18 Sängern im fortgeschrittenen Alter bestehend, beendete aus Altersgründen und aus Nachwuchsmangel seine Auftritte mit Unterstützung des Gastchors aus Velbert. Gemeinsam präsentierten sie unter der Leitung von Frank Sittel klangvoll den "Abendfrieden" von Franz Schubert, die "Entschuldigung" von Silcher sowie "Frisch gesungen", "Das Mädchen vom Lande" und als wirkungsvollen Abschluss und Zugabe "Das Morgenrot".

Der zuletzt bei einem Chorwettbewerb in Pohl-Göns mit Gold erfolgreiche gemischte Chor "Salto Vocale" begeisterte die Zuhörer mit "Hear my prayer", "The Blessing of Aaaron" und "Zum Abschied". Das Dirigat hatte in Vertretung von Jürgen Faßbender Frank Sittel.

Dank an Frank Sittel

Das Royal-Ballett mit der Gruppe "Diamond Dancers" sorgte mit seinen tänzerischen Einlagen, unter anderem auch Rock'n'Roll, für optische Auflockerung. Unter der Leitung des aus Hadamar stammenden Kapellmeisters Lothar Welzel entführten die Sänger der Chorgemeinschaft Velbert und die Musiker des Elzer Salonorchesters gemeinsam in Mozarts "Zauberflöte" und Szenen aus "Aschenputtel" mit Norbert Stevens als Solist. Den musikalischen Abschluss setzte Welzel, der neben dem Salonorchester auch offiziell den Chor aus Velbert dirigiert, unter anderem mit Melodien von Johann Strauss und von Ronald Binge mit der Elisabeth-Serenade. Zum Schluss übernahmen "Germania"-Vorsitzender Martin Sommer und Ehren-Präsident Werner Reusch die ehrenvolle Aufgabe, nicht nur dem Männerchor zu danken, sondern auch Chorleiter Frank Sittel, der zehn Jahre lang den Männerchor geleitet hatte.

VON BERND LORMANN